Im 4. Semester entwarf ich im Rahmen einer Gruppenarbeit einen selbst-reinigenden Wasserhahn. Die Aufgabenstellung bestand im Fach Produktdesign darin, ein bestehendes Produkt neu zu designen. Während der Corona-Pandemie formten sich einige Gruppen, die einen Wasserhahn designt haben. Mir war als Alleinstellungsmerkmal besonders wichtig, dass unser Wasserhahn ohne Sensoren, Displays oder sonstige elektronische Technik auskam.

Die Arbeit war in unserem 4-köpfigen Team ausgewogen verteilt und niemand war signifikant weniger beteiligt als der andere. Zusammen konnten wir viele Aufgaben meistern, die unser Dozent nicht einmal erwartet hatte. Daher bin ich auf dieses Projekt ziemlich stolz. 
Zuerst erstellten wir einen Projektplan, dessen Ziel es war, einen iterativen Prozess zu schaffen, der möglichst viel Raum für Ideen und Überarbeitungen lassen konnte. Wir hatten uns auf einen zwei Wochen Sprint geeinigt, der am Ende jedes Sprints innerhalb der Gruppe reflektiert wurde. 
Der Wasserhahn brachte einige Anforderungen mit sich. Aus Benutzersicht sollte er die Hände säubern und diverse Hygiene-Anforderungen erfüllen. So sollte er beispielsweise nach dem Händewaschen nicht, durch Abdrehen des Wassers, die Hände erneut verschmutzen. Aus Sicht des Betrachters sollte er natürlich ein Gefühl von Reinheit vermitteln. Der Besitzer möchte einen Wasserhahn, der leicht einbaubar ist und bestenfalls ohne Strom funktioniert. Darüber hinaus sollte der Wasserhahn standardisierte Anschlüsse besitzen und ohne Spezialwerkzeuge auskommen. ​​​​​​​
Während der Analyse haben uns ein paar Ideen besonders gefallen: Ein Wasserhahn mit Fußpedal, um ihn nicht berühren zu müssen; Farbiges Wasser, um die Temperatur anzuzeigen; Ein integrierter Seifenspender, der dem Wasser automatisch Seife zusetzt. Ebenso sind wir auf einige Probleme gestoßen. So gibt es bei manchen Wasserhähnen das Problem, dass das Wasser versehentlich außerhalb des Beckens landet oder viel zu stark spritzt. Sensoren verschmutzen nicht nur leicht, sondern geben auch meist während des Waschens kein weiteres Signal, was zur
Folge hat, dass das Wasser einfach aus geht. 
Wir haben versucht die Benutzererfahrung anhand eines exemplarischen Beispiels zu beschreiben. Karen ist eine 42-jährige Sekretärin mit einem hohen Hygienebewusst sein. Sie ist reisefreudig, besitzt eine minimalistische Einrichtung und kauft Qualitäts- bzw. Bioprodukte. Täglich benutzt sie in der Arbeit ein Büro-WC mit zwei bis drei Kabinen und möchte sich hinterher die Hände waschen. Hierzu sind wir dann näher auf ihre Gedanken und Gefühle, Handlungen usw. eingegangen:
Während des Framings haben wir uns die Frage gestellt, welches Problem wir lösen wollen. Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass das Händewaschen möglichst hygienisch sein und die Infektionsgefahr eliminiert werden sollte. 
Außerdem haben wir uns verschiedene Insights zu den Themen Sauberkeit & Hygiene, Installation und User Experience überlegt. Nachdem wir unsere Insights formuliert hatten, haben wir uns zu diesen Insights "How Might We Questions" gestellt:
Um unser Produkt auf die Bedürfnisse unserer Kunden auszurichten, haben wir ein Value Proposition Canvas erstellt:
Nachdem wir unsere Analysephase beendet hatten, haben wir uns über die Konzeption einen groben Überblick verschafft. Allerdings
gab es folgende Anforderungen zu beachten, welche wir uns bereits in der Analysephase gesetzt hatten: Der Wasserhahn sollte auch ohne elektrischen Strom funktionieren; Der Wasserhahn sollte selbst-reinigend sein; Er sollte leicht zu installieren sein und bestehende Anschlüsse verwenden; Er sollte sich in heterogenen WC’s eingliedern; Die Nutzung sollte nicht zu stark von bereits gewohnten Mustern abweichen. Das Verwenden von Seife, haben wir uns als optionales Ziel gesetzt. Das Abtrocknen der Hände, sahen wir als ein vom Wasserhahn separiertes Themengebiet an. 
Bereits in der Analysephase sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass Sensoren einige Nachteile mit sich bringen. Nichtsdestotrotz
wollten wir wissen, ob es vielleicht doch einen Weg gab, Sensoren zu nutzen. 
Während wir versucht haben uns zu diesem Problem Gedanken zu machen, kamen immer mehr Fragen auf: "Ist eine Gestensteuerung sinnvoll?"; "Sensoren verbrauchen elektrischen Strom!";  "Wann hört das Wasser auf zu fließen? Brauchen wir einen Timer?". Die überwiegende Masse an neuen Problemen bestätigten uns nochmals in unserer Annahme, dass Sensoren zur Verwirklichung unseres Projekts nicht geeignet waren.
Weiter machten wir uns Gedanken, ob es sinnvoll sei Licht einzusetzen. Licht bringt nicht nur ästhetische Vorteile mit sich, sondern kann auch dazu verwendet werden, dem Nutzer ein Feedback zur Temperatur zu liefern. Leider muss der Nutzer allerdings erst einmal lernen, welche Bedeutung die einzelnen Farben haben. Erfahrungsgemäß assoziiert man rötliche Töne eher mit Wärme als bläuliche Töne. Doch diese Begründung war uns ohne Usertests zu heikel. Wie auch beim Sensor benötigt Licht elektrischen Strom. Schlussendlich haben wir uns auch gegen den Einsatz von Licht entschieden.
Während des Skizzierens hatten wir viele originelle Einfälle. So gab es beispielsweise die Idee einer Kette, die man ziehen sollte, um den Wasserfluss zu starten. Dadurch würde die Kette gleich mit gewaschen werden.
Die vielversprechendste Idee war unser Wasserzapfen, zu welchem wir eine große Anzahl von Skizzen und 3D-Modellen erstellt haben. Der Zapfen, welche die Bedienung des Wasserhahns ermöglicht, wird hierbei am Kopf des Wasserhahns angebracht. Durch ihm braust Seife oder Wasser in verschiedenen Temperaturen. Die Bedienung kann theoretisch auf mehrere Weisen stattfinden. Der Zapfen lässt sich kippen, drehen, ziehen oder drücken. Wir haben uns Gedanken gemacht, welche Form der Interaktion am intuitivsten ist. Manche Wasserzapfen hatten für die Bedienung sogar einen zusätzlichen Button. Letztendlich haben wir uns während der Konzeption für diese Idee entschieden, da diese unsere Anforderungen erfüllt hatte und während der Realisation eine flexible Ausgestaltung ermöglichte.
Da wir dieses Thema für wichtig erachtet haben und Zeit hatten, konnten wir uns unserem optionalen Ziel widmen - der Seifenfunktion. Bei der Hebel-Variante war der Seifenspender oft am Hebel selbst angebracht. Problematisch war, dass viele Menschen ungern einen Hebel anfassen, der seifig ist - selbst dann nicht, wenn die Seife eigentlich zur Desinfektion und Reinigung dienen sollte. Bei der Wasserzapfen-Variante war dies schon viel einfacher, da der Wasserzapfen viele Arten der Bedienung ermöglichte. Bei dieser Variante sollte die Seife entweder direkt aus den Poren (bzw. den Rillen) oder aus einer separaten Seifendüse am Ende des Zapfens fließen. Es gab auch einige Ideen und Lösungsvorschläge, die sich der Frage widmeten, wo die Seife aufbewahrt werden sollte. Das Aufbewahrungsgefäß befand sich oft am Kopf oder Hals des Wasserhahns. Manchmal war das Gefäß aber auch als Kartusche innerhalb des Hahns versteckt. 
Während der Realisation legten wir uns auf eine der verschiedenen Bedienmöglichkeit fest, die in der Konzeption erarbeitet wurden. So wurde die Ausgangssituation so gestaltet, dass der Wasserzapfen in seiner ruhenden Position den Wasserfluss unterbricht. Damit das Wasser wieder fließen konnte, musste der Zapfen diese Position verlassen. Bei der Entscheidung haben wir einige Faktoren der Interaktion, wie die Ergonomie, die
Intuitivität oder die Nutzerzufriedenheit, berücksichtigen müssen.
Bei unserem Wasserzapfen war es unvermeidlich, verschiedene Prototypen zu testen, da wir wissen wollten, wie sich das Wasser unter verschiedenen Bedingungen verhält. Hierfür haben wir in einem 3D-Modellierungsprogramm verschiedene Wasserzapfen erstellt. Aus hygienischen Gründen war es wichtig, dass das Wasser im Hohlraum des Zapfens sicher abfließen konnte. Im Wesentlichen konnte man zwischen zwei Arten von Zapfen unterscheiden - die mit Poren und die mit Rillen. Nachdem die Zapfen modelliert worden sind, wurden sie anschließend mit einem 3D-Drucker gedruckt. Da der Druck etwas Zeit in Anspruch nahm, haben wir die Löcher auf bestehenden Prototypen manuell vergrößert,
statt diese neu auszudrucken. Eine weitere Hilfe waren kleine Wasserzäpfchen, welche man schnell ausdrucken konnte. Auch auf ihnen konnte man unterschiedliche Lochgrößen testen.
Eine große Anforderung des Wasserzapfens war die Hygiene. Wir haben aus den Hygienic Design Grundsätzen von der European Hygienic Engineering & Design Group unsere unterschiedlichen funktionalen Hygieneanforderungen abgeleitet. 
Bei der Gesamtform des Wasserhahns orientierten wir uns stark an natürlichen Formen, wie Tannenzapfen, Schwäne, Blumen, Regentropfen, Delphine, Blätter, Eiszapfen usw.. Bei der Formgebung des Wasserzapfens entschieden wir uns letztendlich für den Eiszapfen. Am elegantesten für den Hals des Wasserhahns empfanden wir die Schwanenform. Im Gegensatz zur Blume oder zum Tannenzapfen deutet diese Form auch auf das Wasser hin. Die erste Assoziation zu einem Schwan ist bekanntermaßen ein See. Auch der Goldene Schnitt floss bei unseren Plänen ein. Hierzu nennen ist beispielsweise die Goldene Spirale. Wir haben uns lange beraten und skizziert, bis wir eine passende Form gefunden hatten. Dabei
mussten wir die Balance zwischen einem ästhetischen Schwung und der Größe finden. Auf den Platz nach hinten mussten wir besonders achten. Dieser ist je nach Badezimmer nur wenige Zentimeter.
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Beim Wasserhahn haben wir nach verschiedenen Materialien Ausschau gehalten, welche unsere Anforderungen erfüllen konnten. Wir entschieden uns für Edelstahl, das mit einer Nanoversiegelung beschichtet werden sollte. Der Seifenbehälter sollte aus einem transparent-milchigem Material bestehen. Damit wird dem Anwender gezeigt, dass der Wasserhahn eine Seifenfunktion besitzt und wie viel Seife sich noch innerhalb des Behälters befindet.
Die Seifendüse stellt nicht nur den untersten Punkt des Wasserzapfens dar, sie ist auch der Punkt, an dem das Wasser in den freien Fall
übergeht. Damit erhält der Wasserzapfen die Geschichte seiner Idee. Als Vorbild für unseren Wasserzapfen haben wir den Eiszapfen gewählt. Der Eiszapfen ist für unseren Wasserzapfen nicht nur die Inspiration für seinen Namen, sondern auch das Vorbild. Ein Eiszapfen wird mit Sauberkeit und Klarheit assoziiert. Auch mussten wir darauf achten, welche Assoziationen wir vermeiden wollten. Manche Formen konnten für den Betrachter anstößig wirken. Eine weitere Idee war ein ergonomischer Wasserzapfen. Dieser stellte sich allerdings als ungeeignet für die Bedienung heraus, weil er seine Symmetrie und Ergonomie wieder verliert, sobald der Benutzer die Temperatur ändert.
Beim Seifenbehälter standen uns eine Vielzahl von Möglichkeiten bereit. Wir haben versucht diese anhand von verschiedenen Entscheidungskriterien zu bewerten: Ästhetik; Preis; Nachhaltigkeit; Angebotscharakter; Auffüllen der Seife; Technik. 
Wir haben unseren finalen Prototypen in einem 3D-Modellierungsprogramm (Cinema 4D) umgesetzt. Der große Vorteil im Vergleich zu einem 2D Modell ist , dass man einen Rundumblick der Sicht erhalten kann. Zudem lassen sich die Proportionen, wie auch der Wasserfluss deutlich darstellen. Eine zusätzliche Idee war es, die Funktionsweise anhand des 3D Modells verständlich für Erstnutzer zu präsentieren.
Nachdem wir unsere Anforderungen nochmals überprüft hatten, kamen wir letztendlich zum finalen Design. Hier mussten wir unsere Pläne nur noch zusammenführen. Farblich ist unser Wasserhahn in weiß gehalten. Der Seifenbehälter ist milchig-weiß. Die Armatur ist mit einer Einbrennlackierung versehen, die eine hohe Beständigkeit aufweist. Zudem wird eine Nanobeschichtung am Wasserhahn angebracht. Mir persönlich gefiel nicht die unlackierte Leiste unter dem Seifenbehälter, wurde allerdings hier überstimmt. 
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